Montag, 2. September 2013

Gemütlich wird's erst im Familienbett

Und wieder einer dieser Morgen, an denen ich aus dem Bett vertrieben wurde... manchmal geht's einfach nicht anders, der Papa schnarcht (und klingt dabei wie ein Ghoul, echt gruselig) und die Terrormaus versucht instinktiv, erste Territorialansprüche zu erheben (nur daß es besagten Ghoul überhaupt nicht stört, aber von dem hat sie es mit Sicherheit auch geerbt, denn solche Attitüden hat er auch - man traut sich nur eher, sie mit einem gezielten Knietritt oder Nasenzuhalter zu verteidigen). Dabei kann es doch so schön sein, auf 1,40m zu dritt zu kuscheln... also, theoretisch zumindest. (Übrigens der Hauptgrund für den Ikeabesuch, ein größeres Bett muss her - und nein, kein Kinderbett, die Terrormaus schläft da sowieso nicht drin).

Als die Süße noch kleiner war, oder besser eine weitere Unterkategorie einfügen... ganz zu Anfang ihres Lebens schlief sie nur auf Mama oder Papa, was wir heroischerweise circa zwei Monate konsequent durchgehalten haben. Das war zwar einerseits schön, bändigte es doch tatsächlich den Papa beim Herumwälzen, andererseits führte es neben Rückenproblemen auch dazu, daß immer gleich alle drei wach waren. Nachdem ab dem dritten Monat das Stillen im Bett funktionierte, schlief die Terrormaus doch tatsächlich brav neben mir und kuschelte sich in niedlichster Erdmännchenmanier an meinen Arm oder Busen. (Wen es interessiert, die beste Schlafstellung ist, wenn man seitlich liegt und den Arm auf dem Kissen anwinkelt, damit das mini me möglichst nah liegen kann... optionales Kuscheln, Stillen oder Umdrehen inbegriffen). Ab dem Zeitpunkt, das ist keine Übertreibung, hat es mit dem regelmäßigen Nachtschlaf auch geklappt - wobei Durchschlafen heißt, mehrfach trinken zu müssen, aber daran kann sich frau ja gewöhnen und mann schläft sowieso bei fast jedem Kreischlevel weiter.

Nicht so cool bei der Familienbettsache ist, daß man ständig (ok, anfangs ist es ständig, später dann aber immernoch hartnäckig in unregelmäßigen Abständen) entsetzte Fragen beantworten muss diesbezüglich... ganz schlimm die Großeltern "Oh Gott, das begünstigt doch den plötzlichen Kindstod..." / "Ja klemmt die sich nicht den Kopf in eurem Gitterbett ein..." / "Und was ist mit der trauten Zweisamkeit..." / usw. oder schlichtweg das etwas hochnäsig pseudoerziehungswissenschaftliche "Ihr wisst aber schon daß ihr sie dann nie wieder aus eurem Bett rauskriegt" / "...schrecklich verwöhnt" / "...schrecklich verzieht". Boah nee, ne! Echt jetzt? Leeeute! Als ob man ernsthaft Leib und Leben gefährden würde, geschweige denn den wohlfeilen Charakter des wertvollen Nachwuchses. Ganz pragmatisch gesagt hat die Maus noch nie irgendwo alleine gelegen, gesessen, geschlafen... aber nicht, weil ich als Superglucke es so geil finde, sondern weil sie sich mit Händen und Füßen (und vor allem dem Schreiorgan) dagegen gewehrt hat. Und ganz ehrlich, das ist auch ihr gutes Recht.

Wie perfide von unserer Gesellschaft, unseren Babys, die doch gerade geboren wurden und die nichts weiter wollen, als bei ihren Vertrauten zu sein, Selbstständigkeit und Durchhaltevermögen anerziehen zu wollen. "Laß sie doch schreien!" / "Jetzt hast du sie schon so verwöhnt, jetzt kannst du es auch nicht mehr rückgängig machen." Ja wirklich, solche Argumente gibts noch, die sind nicht ausgestorben. Und die kommen von allen möglichen Seiten, nicht nur von der 50+ Fraktion. Aber daß sich alle ständig einmischen ist dann wieder ein anderes Thema...

Übrigens, sehr empfehlenswert ist das Buch "In Liebe wachsen" von Carlos Ródriguez (La Leche Liga), geschrieben aus Sicht der Kinder. Das Familienbett ist natürlich auch dabei...
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Big J ist Sozialpädagogin, zarte 30 Jahre alt und seit November 2012 Mutter einer terrornudeligen Tochter. Zu allem Überfluss ist sie auch noch tätowiert und steht auf die vegane Lebenweise. Sie lebt mit Partner, besagter Tochter und zwei nutzlosen Katern in Hessen. Irgendwie läuft alles anders als bei anderen Müttern, und deshalb fühlt sie sich berufen, nicht nur in der 3. Person zu schreiben, sondern auch abstruse Erlebnisse in ihrem Blog festzuhalten.

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